Was Schuhe mit Büchern gemeinsam haben

Da grassiert eine Angewohnheit, die mich irritiert. 

Man stelle sich ein typisches Wohnzimmer einer jungen Frau mitten im Berufsleben vor: An der Wand ein hübsches Sofa, darauf eine kuschelige Decke. Ein Beistelltischchen mit ein paar Zeitschriften, ein Couchtisch, ein Fernseher, ev. ein Klavier, ein paar Lampen, Kissen und an einer Wand ein Regal. Darin ein paar Bücher - NEIN, das stimmt ja gar nicht! Dort stehen keine Bücher. Auch keine Fotos oder Mitbringsel aus den Ferien. Nein. Dort stehen schön aufgereihte, im besten Fall nach Farben sortierte, Schuhe. 

Euch überrascht das nicht? Ich sage euch, meine Oma und auch meine Mama würde ein solches Gebaren durchaus überraschen. Unsere Generation ist diesen Anblick aber bereits gewöhnt. 

Das liegt daran, dass man es im Fernseher immer häufiger sieht. Bei Shopping-Queen (ja, ja, ich gucke wirklich ganz häufig Shopping Queen) oder bei anderen Fernsehsendungen, die Einblick in deutsche und schweizerische Wohnungen gewähren. 

 

Jetzt mal ehrlich. Muss das sein? Seit wann haben Schuhe einen solchen Stellenwert, dass sie ausgestellt werden müssen? 

Ja, Schuhe sind schön, so manche Frau machen sie vielleicht gar glücklicher als  ein Buch. Aber es sind Schuhe. Wir laufen mit ihnen auf der Strasse rum, treten in weiss nicht was rein und zuhause stellen wir sie dann auf Augen- und Nasenhöhe ins Regal? Dort darf dann auch der Besuch sie bewundern? Wirklich? 

 

Nun, es kann Gründe geben, die es erforderlich machen, das Wohnzimmer mit seinen Schuhen zu teilen. Z.B. wenn man nur ein Zimmer hat, indem das ganze Leben stattfinden muss. Doch selbst als Studentin fand ich Mittel und Wege, dass meine Schuhe nicht offen in einem Regal neben dem Esstisch herumstanden. Ich jedenfalls möchte meinen Gästen weder den Anblick, noch mögliche Geruchsemissionen, die von Schuhen nun einmal ausgehen können, zumuten. Da lasse ich sie lieber den kitschigen Kleinkram bewundern, der bei mir rumsteht. 

 

Aber vielleicht habe ich auch nur die falsche Einstellung. Highheels, die so hoch sind, dass Frau sie ohnehin nicht auf der Strasse tragen kann, sondern keine Gerüche ab und werden - kostbaren Edelsteinen gleich - ausgestellt. Meistens handelt es sich auch tatsächlich um Exemplare, die dem Swarovski-Clan eine helle Freude bereiten würden.

 

Meine Schuhe sind eher von schlichtem Naturell und fristen ihr Dasein in dunklen, abgeschirmten Schuhregalen. Dort warten sie, ganz altmodisch mit einem Schuhspanner gefoltert, auf ihren nächsten Einsatz. 

 

Herzlich, eure Karolina 


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Kommentare: 4
  • #1

    Mr. husband (Samstag, 21 November 2015 17:31)

    Liebste Karolína
    Dieser Blogeintrag ist einer meiner Favoriten! Ja ich oute mich als dein Blogleser, weder als eifersüchtiger Kontrollfreak, noch als metrosexueller Ehemann ;-)
    Ich liebe einfach deinen Schreibstiel und dein Talent, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Dabei läuft mir immer gleich ein Film vor Augen ab. Also noch kostenloses Kino dazu......grosses Kino. Bei disem Blogeintrag musste ich gleich mehrmals laut lachen. Danke für diese Form der Unterhaltung.

  • #2

    Franziska (Samstag, 21 November 2015 17:39)

    Schöner Beitrag. - Und ja ich habe mich auch schon oft gefragt warum Schuhe so ausgestellt werden müssen. :)
    Stattdessen stehen bei mir im Bücherregal tatsächlich Bücher, Ordner und kitschiger Kleingram. Und ganz so wie sich's gehört leben meine Schuhe in einem kleinen Schuhschrank. - Ganz freuen untypisch komm ich glaub ich - gerade so, oder nicht mal - auf 30. Passt auch!

    Hab einen tollen Sonntag!

  • #3

    Karolina (Montag, 23 November 2015 15:18)

    Franziska, ich habe auch nicht so viele Schuhe. Dafür vermehren sich Taschen bei mir relativ leicht. ;)

  • #4

    Karolina (Montag, 23 November 2015 15:19)

    Danke Roger, mein Liebster. :*